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Die Gedenkstätte Großschweidnitz

Die Gedenkstätte, das ehemalige Leichenhaus mit angeschlossenem Sektionsraum und der Friedhof erinnern an die Verbrechen der nationalsozialistischen „Euthanasie“ in Großschweidnitz. 

Die Heil- und Pflegeanstalt diente ab Juli 1940 als Zwischen-anstalt. Bis zum Jahresende 1940 trafen in der Landesanstalt 1537 Patienten, zumeist aus anderen sächsischen Anstalten aber auch aus Franken ein. Von Januar bis September 1941 waren es 1961 Kranke. Sie stammten aus Sachsen, aus den Provinzen Schlesien und Ostpreußen sowie dem Reichsgau Danzig-Westpreußen. Die meisten Patienten blieben nur wenige Woche in Großschweidnitz. Von Juli 1940 bis August 1941 wurden in 30 Transporten 2445 Patienten nach Pirna-Sonnenstein verlegt und ermordet.  Weitere Sammeltransporte brachten ab 1942 Patienten in hoher Zahl nach Großschweidnitz. Parallel stieg die Sterblichkeit, ein Indiz dass in der Heil- und Pflegeanstalt die Phase der dezentralen „Euthanasie“ begonnen hatte. Nach bisherigem Erkenntnisstand wurden während des Zweiten Weltkrieges über 5.000 Patienten durch Medikamente und Verhungern lassen bewusst getötet. Anfang Dezember 1943 wurde die bis dahin in der Heil- und Pflegeanstalt Leipzig-Dösen untergebrachte „Kinderfachabteilung“ nach Großschweidnitz verlegt. 

Die Gesamtzahl der Menschen, die über Großschweidnitz in den Tod deportiert oder direkt in der Landesanstalt ermordet wurden, muss mit etwa 8.500 beziffert werden. 

Das Gedenken an die Opfer nationalsozialistischer Gewaltherr-schaft konzentrierte sich bisher auf den Ehrenfriedhof, zu dem ein Teil des Anstaltsfriedhofs nach dem Ende der NS-Diktatur umgewidmet wurde. Während der DDR-Zeit stand das Gedenken an ausländische Zwangsarbeiter, die in der Heilanstalt verstorben waren, im Mittelpunkt. Ein Gedenkstein für die vielen Tausend Opfer der national-sozialistischen „Euthanasie"-Aktionen wurde auf dem Friedhof erst im Jahr 1990 gesetzt. Vorausgegangen waren verschiedene Initiativen des Krankenhauses unter Dr. Manfred Oertel und Dr. Holm Krumpolt in der späten DDR-Zeit. Sie mündeten in die gelungene Denkmalsgestaltung von Detlef Herrmann 1989/90 und die  Dissertation von Dr. Krumpolt 1995 („Die Auswirkungen der nationalsozialistischen Psychiatriepolitik auf die Landesanstalt Großschweidnitz, insbesondere der Euthanasie-Aktion im Zeitraum 1939-45“).

Der Künstler Detlef Herrmann (1944-2013) schreibt selbst dazu: 

„Er ist wie ein Querschnitt durch ein Massengrab, ans Tageslicht gehoben und damit dem Vergessen entrissen. Auf den Toten lastet eine mächtige Schicht Erde und der Stein ist von Linien überzogen, als soll das Dargestellte verschüttet, durchgestrichen und verdrängt werden, als wäre es nicht geschehen. Rote Kreuze weisen hin auf die Schreibtischtäter in der Tiergartenstraße 4. Die Körper sind als Relief angedeutet. Es sind getötete und entwürdigte Menschen, Opfer einer unmenschlichen Ideologie. Der Gedenkstein ist über den konkreten Anlass hinaus ein Symbol für unsere Zeit, in der mit Mord und Totschlag, mit Gewalt und Krieg versucht wird, Probleme zu lösen. Die Gestaltung der Plastik beinhaltet auch ihre Einordnung auf dem Friedhof und die Festlegung ihrer Größe entsprechend dieser Situation. Von der Kapelle führt ein Weg zu einer großen Fichte, die zugleich Hintergrund für den Stein als auch Höhepunkt des Raumes ist. Beidseitig des Weges sind Baumreihen, die ihn betonen, direkt daneben sind die Massengräber. Der Weg selbst wurde mit Granitplatten ausgelegt, welche an Grabsteine erinnern. Das alles bildet eine zusammengehörende gestalterische Einheit.“

Die Umgestaltung der ehem. Leichenhalle mit Sektionsraum in einen Gedenk- und Lernort wird derzeit konzipiert. Dabei spielen die Forschungsarbeiten der langjährig spezialisierten Historiker Dr. Dietmar Schulze und Dr. Boris Böhm wie auch die Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein und der Stiftung Sächsische Gedenkstätten insgesamt eine wichtige Rolle. Der aktuelle Forschungsstand wird somit zeitnah in die Konzeption rückgekoppelt. 

Ergänzend dazu wird der Ort bereits heute mit Wanderausstellungen bzw. zu Tagen der Offenen Tür öffentlich genutzt.