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Der historische Ort

In der Gemeinde Großschweidnitz wurde im Jahr 1902 nach vierjähriger Bauzeit eine Königlich-Sächsische Heil- und Pflegeanstalt eröffnet. Die Kapazität des Krankenhauses von 524 Plätzen erwies sich allerdings schon nach kurzer Zeit als zu gering bemessen, so dass ab 1912 weitere vier Gebäude errichtet wurden. Der Erste Weltkrieg markierte den ersten tiefen Einschnitt im Leben der noch relativ jungen Anstalt. Zahlreiche Ärzte und Pfleger wurden einberufen, was zwangsläufig zu einer Einschränkung der Patientenbetreuung führte. Die reduzierte Lebensmittel-versorgung bewirkte Unterernährung und Hungerödeme, gleichzeitig wuchs die Anfälligkeit für Infektionskrankheiten. Folge war ein rasanter Anstieg der Mortalität in Großschweidnitz und ein starker Rückgang der Patientenzahl. Erst Mitte der 1920er Jahre stieg die Zahl der belegten Betten wieder auf über 700 an. Infolge der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde das psychiatrische Krankenhaus in Großschweidnitz wie nahezu aller Institutionen in Deutschland in den Aufbau des nationalsozialistischen Systems integriert. Mit der Entfesselung des zweiten Weltkrieges begann im nationalsozialistischen Deutschland die systematische Vernichtung „lebensunwerten“ Lebens, so auch in Großschweidnitz. Die Heil- und Pflegeanstalt war in die verschiedenen Mordaktionen mannigfaltig eingebunden. Während der Laufzeit der „Aktion T4“ diente sie als Zwischenanstalt für die „Euthanasie“-Anstalt  Pirna Sonnenstein, das heißt als Sammeleinrichtung für Patienten vor deren Weiterverlegung in eine Tötungsanstalt. Etwa 2.500 Frauen und Männer wurden über Großschweidnitz in den Tod transportiert. Außerdem wurde in der Phase der sogenannten dezentralen „Euthanasie“ in der Landesanstalt über 5.000 meist in Sammeltransporten zugeführte Patienten durch Medikamente, Mangelernährung und Vernachlässigung gezielt getötet. Ab Dezember 1943 beherbergte die Landesanstalt eine sogenannte „Kinderfachabteilung“. Dorthin wurden kranke oder missgebildete Kinder überwiesen, begutachtet und nach Erteilung einer „Behandlungserlaubnis“ ermordet.  Nach neusten Forschungsergebnissen geht man heute von mehr als 270 ermordeten Kindern in Großschweidnitz aus. 

Mit dem Sieg der Alliierten über den Nationalsozialismus endete dieses dunkle Kapitel deutscher Psychiatriegeschichte. 1947 wurden 2 Ärzte und 5 leitende Schwestern der Heil- und Pflegeanstalt zu mehrjährigen Zuchthausstrafen verurteilt. 

In der Nachkriegszeit wurde die psychiatrische Versorgung wieder aufgenommen. Ab 1967 trug die Anstalt den Namen „Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie“.